Bereits in meiner Jugend habe ich bei mir ein Faible für Wortspiele und sprachlich Hintersinniges entdeckt. Beeindruckt hat mich vor allem humoristisch kunstvoll-virtuosen Umgang mit Sprache und Inhalten bei Wilhelm Busch, Heinz Erhard und Robert Gernhardt. Das hat mich schon früh zu Eigenkreationen inspiriert, von denen ich hier einige vorstellen möchte. Darüber hinaus habe ich im Lauf der Jahre einen Sensus entwickelt, aus beiläufigen Worten und Wortkombinationen Doppelsinniges herauszuhören oder zu -lesen. Da den Wortspielen aufgrund ihrer erzwungenen Bedeutung zumeist der tiefere Sinn abgeht, ist der Schritt zum Kalauer leider oft nicht weit, und das meiste wird so schnell verworfen, wie es von selbst kommt.

Hier ein paar Kostproben aus meiner Eigenproduktion der verschiedenen sprachlichen Spielereien.

 

Gedichte

Das Ei des Leonardo

Leonardo da Vinci, der wie man weiß,

Zeit seines Lebens um jeden Preis

Das Ei des Kolumbus, das Verfluchte!,

Mit heißem Bemühen überall suchte,

Sah eines Tages:

Da lag es!

Und ohne zu zögern, aß er es auf:

Schade drum!

 

Dramatisch

Ein Autor, der ein Drama schrieb, hatte seinen Text sehr lieb.

Allein – die Hauptfiguren

Folgten nicht den Spuren.

Da stieg der Autor kurzerhand

Hinab ins eigne Dramenland,

Und er diktierte Wort für Wort,

Und wie er’s tat, da ward er dort

Von einem Tintenklecks getroffen

Und ist in Selbigem ersoffen.

Die Sache mit dem Klecks

Geschah auf Seite 6.

So blieb ab Seite 7

Das Drama ungeschrieben.

 

Philosophisches Ringen

Ein weiser Denker sprach:

„Der Klügere gibt nach“.

Ein andrer Philosoph

Fand diesen Satz nur doof!

Fortan bekämpften sich

Die beiden fürchterlich,

Bis Jahre später dann

Der Klügere gewann.

 

Armer Kaiser

Ans Sterbebett rief einst ein Kaiser

Die allertreulichsten Vasallen,

Die Stimme ward schon immer leiser

Und nunmehr ähnlicher dem Lallen:

Ich habe sehr viel Ruhm genossen,

Bin Kaiser nun seit sechzig Jahren,

Doch dessen lange Zeit verdrossen:

Hab‘ keinen Aufstieg je erfahren.

Obwohl ich schreiben kann und lesen,

So hab‘ ich heute mir gedacht,

Bin ich doch niemals Papst gewesen,

Hab’s nicht zum Zar noch Khan gebracht.

Ich hab‘ versagt, ich alter Mann,

Den Aufstieg brachte nicht mein Lauf.

Er täuschte sich und stieg sodann

Samt seiner Seel‘ zum Himmel auf.

 

Frohe Kunde

Berta, Fritz und Adelgunde

Treffen täglich eine Stunde

Sich zu eine Kaffeerunde,

Meistens doch sind zu viert.

Sonst ist Erich mit im Bunde.

Alle, bestens informiert,

Reden über Erichs Pfunde –

„Ja, der geht noch vor die Hunde,

Dass der sich den gar nicht ziert!

Wie der nach dem Essen giert!“

Bohren so in seiner Wunde,

Was er ja nicht weiß. So wird

Kumpel Erich diffamiert.

Seine Laster, ungeniert,

Bleiben noch in aller Munde,

Bis man fertig hat diniert,

Freut sich, weil man nichts verliert,

Gleich schon auf die nächste Stunde,

Denn da fehlt die Adelgunde:

Frohe Kunde, Frohe Kunde

 

Gleichklänge und Hintersinniges:

„Kann man wohl ihr Kloster mieten?“

„Nein, `s gibt auf den Klos Termiten!“

Das Motto der Niedersachsen:

„Gedenke Niedersachsen –

Gedenke Nie-der-Sachsen“

Kommentar zu Rheinland-Pfalz:

„Dies ist ein rhein Land, pfalz man es sauber hält!“

 

Schüttelreime und Schüttelreimgedichte

Bei Bier und Wein wird allerlei
Gespräch ganz schnell zur Lallerei!

Wir ham uns unsre Raucherlungen

Keineswegs durch Lauch errungen!

Das 4. Gebot der Schüttelreimer:

„Du sollst Atta und Futter mehren!“

 

Seelig

Ich trink an welchem See gern Tee?

Das tu ich an dem Tegernsee.

Doch wenn ich mich an Senf ergeh’,

Dann tu ich das am Genfersee,

Und, ach, am schönen Achensee,

Da tu ich schöne Sachen eh.

 

Bacchus auf der Alm

Auf der Alm, da weiden Herden

Von Schafen, die zu Heiden werden,

Die am Wein sich labend oben

Bacchus bis zum Abend loben.

Hie ein Fass und dort ein Kübel

Wein mit Rum. Ist das kein Übel?

Das Vieh, ach, drängt es sehr zu laufen

All die Kübel leerzusaufen.

Es schlürft von dem Gewässer fein:

Leer sind schon drei Fässer Wein.

Nicht sieht man den Hirten fasten,

Man sieht ihn zu dem Vierten hasten.

Bei Dämmerlicht, bei Dämmerlicht,

Da sind schon alle Lämmer dicht.

Den Schnapskrug hebt der Hirtenvatter,

Den zweiten nicht, den vierten hatter.

So führt der Hirt die Seinen in

Den Rausch. Doch hat das einen Sinn?

Liefern gar vom Wein volle

Schafe bess’re Feinwolle?

Moritaten

(aus den ersten Anfängen)

 

Der Kirschgänger

Der kleine Lümmel Hans, der fand

‚Nen Kirschbaum an dem Wegesrand.

Das Obst war lieblich anzuseh’n,

Der Hans, der konnt‘ nicht widersteh’n,

Und gierig dacht‘ er so bei sich:

„Die hübschen Kirschen, die verspeis` ich!“

Und er begann sich an die Kirschen

Von Ast zu Ast heranzupirschen.

Des Hansens Bauch ward schwer und schwerer,

Der Kirschbaum aber leer und leerer.

Doch als zwei Stunden schon vergangen,

Nur wenig Früchte dort noch hangen,

Macht ihm der Kirschen Wohlgenuss

Auf einmal ärglichsten Verdruss.

Der Magen peinigt übel ihn,

Und rechts spürt er ein seltsam` Zieh’n.

Da, in der allergrößten Pein

Hört er auf einmal wüstes Schrei’n

Und sieht den Bauern mit der Gabel –

Der Bauch tut weh ihm grad‘ am Nabel –

Und er erkennt die Situation

Und sagt zu sich in leisem Ton:

„Nun sind’s der üblen Lagen zween,

Jetzt wird’s mir an den Kragen geh’n.

Hoch sitz‘ ich hier ich Obstgenießer,

Da unten aber liegt ein fießer

Bauer

Auf der Lauer.“

Da wütet jener alsodann:

„Wer ging an meine Kirschen ran?

Du hundselender Bösewicht!“

Sodann er mit Getöse sticht

Die Gabel kraftvoll in den Baum.

Indes es nützt dem Bauern kaum,

Denn diesmal kömmt, wie ja ganz oft,

Die Rettung völlig unverhofft.

Ein Fink entleeret seine Blase

Genau auf jenes Bauers Nase,

Und ausgelöst von ein paar Spritzern

Sieht der’s in seinen Augen glitzern,

Worauf demselbigen gebricht

An der gewöhnlich klaren Sicht.

Schon hat der Lümmel gut erkannt:

Gefahr scheint im Moment gebannt.

Er nutzet flinklich die Sekunden,

der Bauer sieht – er ist verschwunden.

Was nutzet da sein gräulich Fluchen?

Der Bengel wird das Weite suchen.

Doch dem wird’s auch nicht wohl ergeh’n.

Das konnte man schon oben sehn!

Das Toben dort in seinem Innern

Wird ihn an seine Tat erinnern.

Und die Moral von der Geschicht‘:

Gewaltanwendung lohnt sich nicht.

Oder:

Wenn dir Erinyens Schlangen winken,

Verlass dich nicht sogleich auf Finken.

Oder:

Spürst du’s in deinem Magen weh’n,

Sollt’st du vielleicht zum Doktor geh’n.

 

Lektion 1

Heuer sprach die Katzenfrau

Zu dem Katzenkind: „Miau,

Siehst du an dem Fenster dorten

Zwei ganz leck’re Sahnetorten?

Dahin wollen wir jetzt reisen,

Um dieselben zu verspeisen.

Mäusefangen ist beschwerlich:

Wartezeit ist unentbehrlich.

Mäuse können sich verzieh’n,

Eine Torte kann nicht flieh’n.

Wisse, dass in dieser Zeit

Nur der Fachmann kommt sehr weit.

So hab‘ ich, weil’s mir pläsiert,

Mich auf süß spezialisiert.

Denn mir ist besonders lieb

Das Ökonomieprinzip,

Das besagt hie wie im Ausland,

Man mit allerkleinstem Aufwand,

Höchstlichsten Erfolg erlange.

Darum sei auch gar nicht bange,

Folge mir jetzt zu den Kuchen,

Denn wir wollen sie versuchen.

Aufgemerkt, wohl an, schau her,

Es ist gar nicht mal so schwer.“

Sprach’s, nahm Anlauf von der Hecke,

Eine ausreichende Strecke,

überzeugt von dem Gelingen

Hub sie an, hinaufzuspringen.

Doch ihr Spezialistentum

Bracht‘ ihr diesmal wenig Ruhm:

Zwar kam sie bis zum Fensterbrett

Doch war ein wenig sie zu fett.

Zum einen tat’s ihr dicker Bauch,

Zum zweiten tat’s die Schwerkraft auch:

So fiel mit ihren schweren Speck

Kopfüber sie dort in den Dreck.

Das Fensterbrett indessen schwankte,

Und auch der Kuchenteller wankte,

Verlor dabei das Gleichgewicht

Und fiel der Katze ins Gesicht,

Von solchem großen Stress geplagt,

Hatt‘ dann der Kreislauf ihr versagt,

Sie fiel in eine kurze Ohnmacht,

Und als sie dann von der erwacht,

Da hat das Kätzlein unterdessen

Die Torten vollends aufgefressen.

Hier stellt der Leser, der geneigte,

Fest, dass es Lernbereitschaft zeigte,

Denn es tat nach der Lektion

Gelehrsam jenen Ausspruch schon:

„Auch mir ist ganz besonders lieb –

Das Ökonomieprinzip!“